Rainbow Spirit Magazin Sommer 1998

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Interview mit Ayya Khema auf dem
1. Rainbow Spirit Festival 1995


Das Gespräch mit Ayya Khema wurde von Teresa und Mariam (T & M) im Anschluß an Ayya Khemas (Ayya) Workshop geführt.

Der Workshop war mit über zweihundert Personen unerwartet gut besucht und das, obwohl schon am Vortag zu ihrem Vortrag über 250 Besucher erschienen waren.

Was als Interview geplant war entpuppte sich als herzlich-offenes, lockeres Gespräch und offenbarte Ayya Khemas einfache, liebevolle und lustige Persönlichkeit. Mit ihr zu reden war ein selten großes Vergnügen!

T & M: Wir würden gerne von dir wissen, ob es dir gefallen hat,
was du hier auf dem Rainbow Spirit Festival erlebt hast.

Ayya: Also, ich muß ganz ehrlich sagen, ich hatte gar keine Erwartungen, ich wußte überhaupt gar nicht, was zu erwarten war und war sehr freudig überrascht, daß so viele Menschen gekommen sind. Erst mal zum Vortrag gestern schon. Wir haben es auf 250 geschätzt gestern, ob das stimmt, weiß ich nicht…

T & M: Doch, das kommt hin…

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Ayya: Es sind allerdings doch - sagen wir mal - vielleicht 20-30 vor dem Ende des Vortrags rausgegangen. Also, ich nehme ihnen da nicht etwa übel, sondern ich habe gedacht, na ja, es interessiert sie nicht so. Während ich später herumgegangen bin und mir die Ausstellung angesehen habe, habe ich bemerkt, daß einige von ihnen Aussteller waren, und für dies wird es wohl wieder nötig gewesen sein, zurück zur Ausstellung zu gehen.

Was ich auch noch dazu sagen kann ist, daß die Zuhörer unheimlich großzügig mit Spenden waren (Ayya Khema leistet ihre Arbeit nach alter buddhistischer Tradition unentgeltlich und lebt und reist ausschließlich von Spenden. Die Red.) Sie waren enorm großzügig. Also, das ist ein Zeichen dafür, daß es ihnen gut gefallen hat. Denn du gibst ja keine Spende, wenn dir etwas nicht gefällt.

Also, da muß ich schon sagen, daß ich sehr berührt davon war.

Und heute, das war noch erstaunlicher, weil du mir gestern gesagt hast, es haben sich 80 angemeldet. Aber daß hier mehr als 80 waren, das habe ich ja gleich gemerkt.
Ich kann das ja nicht alles zählen, aber das waren doch keine achtzig…

T & M: Es waren zweihundert. Wir sind uns ziemlich sicher. Ich (Mariam) habe sie auch nicht zählen können. Wenn die Leute so durcheinander sitzen, ist es schwer, sie zu zählen. Aber ich habe einfach eine Ecke gezählt und dann hochgerechnet. Es ist ein Wunder, daß so viele hineingingen, denn der Raum ist eigentlich nur für 150 vorgesehen.

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Ayya: Und sie waren sehr aufmerksam, haben sehr aufmerksam zugehört und gute Fragen gestellt. Gestern auch, übrigens. Die Fragen waren nicht irgendwelche dummen Sachen, sondern gezielte Fragen, wo ich so das Gefühl hatte, daß sie sich schon länger mit diesen Fragen beschäftigen.
Okay, einige Fragen waren auf mich gezielt, warum ich Nonne bin und so etwas, das kommt immer vor. Aber viele Sachen, wo man gehört hat, da haben sie schon lange drüber nachgedacht. Und das fand ich sehr wichtig. Sehr schön! Sie haben auch sehr gut zugehört und sich sehr bemüht bei der Meditation. Ich bin sehr überrascht, eigentlich, wie groß das Interesse war. Und da kann ich vielleicht noch etwas sagen zu dem Rainbow Festival, was ich ja nur so im Vorbeigehen mitgekriegt habe. Meiner Ansicht nach – aber das ist eine persönliche Ansicht – suchen die Menschen heute nicht mehr diese Sinnenfreuden. Die haben sie sowieso. Es geht ihnen zu gut hier in Deutschland. Und meiner Ansicht nach ist der Zeitpunkt gekommen, wo Leute, die auf der Suche sind, in die Tiefe gehen wollen.

T & M: Richtig. Das ist genau unsere Wahrnehmung. Das ist der Grund, warum wir dieses Festival gemacht haben: Weil wir einfach das Gefühl hatten, daß das, was normalerweise die ganze Zeit angeboten wird auf Esoterikmessen oder ähnlichen Veranstaltungen, daß das einfach nicht reicht. Daß dies zwar für viele Menschen ein Einstieg ist, aber daß das Bedürfnis nach Tiefe damit nicht befriedigt ist. Die Zeit ist reif für Meditation und tiefgreifende Arbeit an sich selbst. Wir hatten das Bedürfnis, dieser Entwicklung mit dem Festival Ausdruck zu geben, die Möglichkeit zu eröffnen, ernsthaftere Angebote zu machen. Also, wir wollen jetzt nicht über jedes Angebot hier sagen, das war ein „Top-Angebot“. Aber der Flair oder die Grundhaltung der meisten Aussteller hier ist einfach eine ernsthaftere, als das, was auf Esoterikmessen normalerweise läuft. Daß man sich einfach per Computer die letzten zehn Leben ausrechnen läßt und so ähnliche Sachen…

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Ayya: Das ist ja furchtbar. Ja, das ist also auch meine Ansicht. Und darum glaube ich auch – also, ich weiß ja nicht, ob ihr je wieder so etwas macht – daß gerade die Meditation oder auch diese Weisheitslehren – nicht nur die buddhistische, es gibt ja auch andere Weisheitslehren – daß die doch sehr gefragt sind jetzt. Aber z.B. hier wurde auch Tai Chi angeboten. Das finde ich auch einen wichtigen Einstieg. Das ist Achtsamkeit. Das ist ein guter Einstieg. Dabei müssen die Menschen was machen. Ich bin immer dagegen, wenn die Leute nur passiv sind und ihnen irgendwas hingereicht wird. Bei Tai Chi muß man etwas machen. Das finde ich sehr gut. Sonst habe ich nicht so mitgekriegt, was noch angeboten wurde, aber das fand ich schon sehr schön. Jetzt hoffe ich, daß es für Euch auch erfolgreich war, ich weiß es ja nicht.

T & M: Also, von den Besuchern her haben wir mehr erwartet. Wir hätten auch gerne mehr Eintrittsgelder gehabt und doch sind wir jetzt nicht mit Schulden herausgegangen. Das ist gut. Wir haben zwar nicht das, was wir erhofft hatten, daß wir die nächsten Monate mal so richtig halblang machen könnten. Wir müssen schon gucken, wo wir jetzt nach dem Festival finanziell bleiben.
Aber was uns verblüfft war, daß das Echo sowohl bei den Ausstellern, als auch bei den Besuchern gigantisch gut war. So gut, daß wir am Anfang sogar Schwierigkeiten hatten, es anzunehmen. Die Leute kamen zuhauf zu uns und haben sich persönlich dafür bedankt, daß wir das gemacht haben.

Ayya: Na, das ist schön.

T & M: Es haben sich auch sehr viele bedankt, daß du hier bist. Nach dem Vortrag gestern und auch jetzt – wir haben unten gesessen – kamen viele runter und haben sich nochmal extra dafür bedankt, daß sie die Möglichkeit hatten, dich hier zu erleben. Wir haben etwas erlebt, was wir noch nie auf Messen erlebt haben: daß Aussteller, die mit Defizit rausgegangen sind, sich trotzdem für die Erfahrung bedankt haben und gesagt haben, daß sie nächstes Jahr wiederkommen.

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Ayya: Oh, also ihr wollt’s wieder machen!

T & M: Ja. Wir hatten gestern eigentlich schon fast beschlossen, es nicht mehr zu machen, weil es so viel Anstrengung war. Doch ganz viele Leute – und gerade auch die, die keinen finanziellen Gewinn daraus gezogen haben – haben uns alle bestürmt, wir sollen es wieder machen. Es ist unwahrscheinlich viel Liebe auf diesem Festival frei geworden.

Ayya: Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben hier in Baden-Baden. Ich war noch nie hier. Eine wunderschöne Stadt. Also, ich muß sagen, hier ist es ja wirklich bildschön. Wir haben eine kleine Stadtrundfahrt gemacht, denn ich bin nicht sehr gut zu Fuß. Das ist milde gesagt (lacht). Und was man mir erzählt hat – ich habe ja nicht mit so vielen Leuten gesprochen – daß hier in Baden-Baden Meditation kaum angeboten wird. Das ist hier neu. Ihr seid da ja sozusagen der Hebel dafür. Also, das finde ich sehr schön – sehr erfreulich.

T & M: Für uns schließt sich mit dem Festival ein Kreis. Wir haben vor zwei Jahren hier unser Meditationszentrum eröffnet, aber das Interesse an Meditation war nicht groß genug, um das Zentrum zu finanzieren. Deshalb haben wir dann die Regenbogen Mandala herausgegeben und in der Folge das Festival ins Leben gerufen. Durch das Festival erhoffen wir uns jetzt natürlich ein gesteigertes Interesse an Meditation und unserem Zentrum.

Ayya: Aber jetzt habt ihr doch auch einen Laden?

T & M: Ja.

Ayya: Und was habt ihr da zu verkaufen? Also, ich weiß, ihr habt von uns Bücher.

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T & M: Also, wir haben Bücher, CDs, Kassetten und Aromaöle, Räucherwerk, Buddhas und Meditationskissen. Es ist ein Laden mit dem Zubehör zur spirituellen Szene. Wir legen auch sehr viel Wert auf schöne Dinge, auf spirituelle Kunst usw. Durch den Laden merken wir, daß in Baden-Baden und Umgebung ein sehr großer Bedarf da ist. Es kommen sehr viele ältere Leute herein. Das ist erstaunlich.

Ayya: Ja, wunderbar.

T & M: Übrigens, dein Heftchen „Worum geht es eigentlich?“ ist der Renner im Laden.

Ayya: Ach nee, das ist ja niedlich.

(Alle lachen)

T & M: Ja, das interessiert die Leute. „Worum geht es eigentlich?“

Ayya: Das war ein Vortrag, den ich während eines Meditationskurses bei uns gehalten habe, als alle angefangen haben zu schwatzen und spazierenzugehen. Als sie dann wiederkamen, habe ich ihnen diesen Vortrag gegeben. „Worum geht es eigentlich?“ (lacht) „Was macht ihr hier eigentlich, wozu seid ihr eigentlich hergekommen?“ So ist das entstanden. Ihr wollt also das Festival nächstes Jahr wieder machen?!

T & M: Ja, und wir wollen dich gerne wieder einladen. Das ist unsere nächste Frage – ob du wiederkommen kannst?

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Ayya: Ja, ich denke schon. Ich glaube nicht, daß ich da etwas vorhabe. Ich denke, das geht schon. aber ich muß zu Hause nachschauen.

T & M: Eine Frage müsssen wir noch loswerden. Kannst du etwas zu Channeling sagen, diesem Phänomen, das in den letzten Jahren so stark zunimmt? Immer mehr Medien und Channels treten auf, Leute, die Kontakt zu Geistwesen aufnehmen. Man kann ja nicht nur einfach bei allem sagen, das ist Humbug, sondern da kommt tatsächlich sehr viel Wahres, Spürbares rüber. Welche Rolle spielt dieses Phänomen eigentlich und was ist die Ursache davon?

Ayya: Also, das ist eine jetzt ganz persönliche Meinung, die ich da von mir gebe. Wir leben in einer Zeit, die für den Menschen gefährlich ist. Ich sehe es so, daß wir uns selbst sehr leicht vernichten können. Das ist gar keine Frage. es ist möglich, daß der Mensch einfach nicht mehr auf diesem Erdball existieren wird, so wie er jetzt da ist. Und daß eben sehr viel Schlechtes im Umlauf ist. Da gibt es Krieg, aber nicht nur Krieg, sondern alles mögliche Schlechte. Und es gibt natürlich, sagen wir mal, „höhere Wesen“. Wir nennen sie Devas. Daß die existieren ist gar keine Frage. Und die sind daran interessiert, daß sie hier wenigstens die Balance halten können. Daß das Gute mit dem Schlechten die Balance halten kann. Wenn jemand wirklich seriös ist und sich dem zur Verfügung stellen und der Welt helfen will, so ist es möglich daß er ein Channel wird, daß sie durch ihn hindurch arbeiten können. Die können nicht durch jeden durch. Die meisten Menschen sind ja zu sehr verschlossen. Da kann kein Deva durch.

T & M: Da kann auch kein Mensch durch!

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(Alle lachen)

Ayya: Ja, das stimmt. Aber es gibt Menschen, die offen sind, z.B. Geistheiler, die sind auch offen. Habt ihr mal Edgar Cayce gelesen? Der war ein absoluter Channel für Ärzte. Es gibt also Menschen, die sind absolut offen und haben sich hingegeben und wollen geben. Da kriegen die höheren Wesen eine Möglichkeit, durchzukommen. Die versuchen überall durchzukommen, um die Balance herzustellen zwischen dem Schlechten und dem Guten. Und natürlich gibt es da auch Humbug.
Das ist klar. Das gibt es bei allem. Es ist nicht leicht , daß auseinander zu sortieren.

T & M: Da kann man nur hinspüren.

Ayya: Ja, das muß sein. Ich glaube, das kann man schon spüren, ob das ernst ist oder nicht. Aber ich bin ganz sicher, daß da absolut auch ernsthafte Sachen passieren.

T & M: Ich glaube, eine gute Orientierung ist immer, wenn jemand sehr einfach ist.

Ayya: Ja. Das hat der Buddha übrigens gesagt. Die beste Art und Weise, das Dhamma zu lehren, ist, ganz einfache Erklärungen abzugeben. Ich kann sowieso keine schwierigen abgeben. Das fällt mir also leicht. Mir war nicht bewußt, daß es immer mehr Channels gibt.

T & M: Es sind unglaublich viele. Ich weiß nicht, ob du die Künstler unten wahrgenommen hast. Sehr viele Bilder sind gechannelte Bilder.

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Ayya: Aha. Die setzen sich einfach hin und das kommt durch.

T & M: Ja, z.B. Joachim Karras (hier auf dem Festival) hat sehr schöne Bilder gemalt und sagt, daß er in ganz bestimmten Momenten, in einer bestimmten inneren Verfassung, genau spürt, was da jetzt gemalt werden will. Und dann fließt es. Man sieht es auch an den Bildern. Das ist nichts, was man machen kann. Und wenn man die Bilder anschaut, ist man berührt. Er hat eine Madonna gemalt, die ist wunderschön. Wir schicken dir ein Bild.

Ayya: Also, ich unterschreibe, daß das unbedingt möglich ist und vielleicht immer mehr wird, weil es immer schlimmer wird auf der Welt. Weil wir immer mehr in Unordnung bringen, immer mehr die Umwelt verschmutzen, immer mehr Kriege… Es ist ja fürchterlich. Unbedingt sind da Channels vorhanden.

T & M: Uns verwirrt es manchmal, wieviele Channels es gibt und uns begegnen. Manche wirken oft auch sehr abgehoben, und das kollidiert dann ab und zu mit uns, weil wir uns eher auf einer meditativen, erdigen Ebene bewegen.

Ayya: Ich verstehe, was ihr sagt. Vielleicht könnt ihr noch folgendes in Betracht ziehen.
In der Buddha-Lehre gibt es 31 Bewußtseinsebenen. Die fängt an mit der Hölle, also der tiefsten Ebene. Und dann gibt es die hungrigen Geister, dann gibt es die Titanen oder Asuras; dann gibt es die Tiere und dann kommt der Mensch.

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Der Mensch ist die fünfte Ebene von unten. Dann geht es weiter mit den Devas. Und die höchsten vier sind die Götter. Das sind die verschiedenen Bewußtseinsebenen.

Und wenn sich jetzt einer wirklich als Channel öffnet, muß er Kontakt haben mit einer von den Deva-Ebenen. Dieser Kontakt ist gefühlsmäßig, muß gefühlsmäßig sein. Es gibt aber auch Menschen, die sogar optisch sehen, aber das sind ganz wenige. Dieser Kontakt ist eben, wenn sich jemand hingegeben hat und sagt, „nicht ich, sondern dein Wille geschehe“. „Dein“ muß nicht was Bestimmtes sein.

Kontakt mit diesen Ebenen ist möglich, das ist überhaupt keine Frage. Aber natürlich nicht für jeden. Aber dann muß ich noch etwas Persönliches dazu sagen, was euch sicher interessieren wird.

Meine Sprache ist logisch und analytisch, weil ich auch einen analytischen Geist habe. Aber wenn ich mich hinsetze zum Lehren, habe ich nichts damit zu tun. Das kommt alles durch.

M: Ja, das muß so sein. Ich war gestern bis zu den
Fragen da und dann mußte ich wieder raus.
Ich habe einfach gespürt „so kann Ego nicht reden, das muß durch sie hindurch passieren.“
Es ist menschenunmöglich, so ein langes Stück in freiem Fluß zu reden. Das ist auch etwas, was wir verstehen. Das passiert uns auch, daß wir das Gefühl haben, nicht selber zu reden, sondern es einfach fließt und „es passiert“, „es redet“.

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Ayya: Ja, das ist Channeling.

T & M: Ich glaube, das , was wir noch nicht verstehen, ist die Tatsache, daß viele Leute, wenn sie in diesem Zustand sind, Dinge sagen, die wunderschön sind. Und es ist auch die Präsenz von Liebe da. Und dann triffst du sie ein paar Stunden später im Alltag und sie sind völlig unbewußt und unsensibel. Das empfindet man dann als einen ziemlichen Hammer.

Ayya: Die haben nicht praktiziert.

T & M: Da ist eine Spaltung da.

Ayya: Ja, dazu muß man richtig praktizieren. Man kann sich nicht darauf verlassen, daß das durch einen durchläuft, sondern man muß üben. Und wenn man übt, dann ist man das eines Tages. Dann ist man nicht nur derjenige, der channelt, der erzählt, sondern man ist es dann. Aber das habe ich ja gestern in dem Vortrag, glaube ich, zwanzig mal gesagt. Das muß man machen. Man muß sich hinsetzen und es tun. Das ist die Arbeit. Ich hatte gedacht, ich habe die alle verscheucht. Aber es sind ja alle wiedergekommen.

T & M: Viele sind an dem Punkt, wo sie wissen, daß sie etwas tun müssen, daß es in ihrer Verantwortung liegt. Und sie warten darauf, daß ihnen jemand sagt, daß es die Möglichkeit gibt, dies zu tun.

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Ayya: Ich habe die buddhistische Lehre, natürlich nicht alles, aber das, was ich für nötig fand, auswendig gelernt, sodaß ich die Terminologie weiß. Ich weiß, wo ich mich hinzuwenden habe. Ich habe mir noch nie vorher einen Vortrag überlegt. Ich habe immer nur ein Konzept, wovon ich reden werde. Das ist alles. sehr häufig mache ich mir einen ersten Satz zurecht, damit es mal anfängt. Zum Beispiel heute hast du gesagt „Die sollen schön zuhören“. Da habe ich gesagt „Die sollen nicht zuhören, die sollen machen.“

T & M: Also der Punkt ist im Grunde, wenn jemand channelt, heißt das, daß er offen ist für Energien. Aber es heißt nicht, daß er nicht trotzdem auch Bewußtseinsarbeit leisten muß, um mit dem, was er da vermittelt, eins zu werden. Ich meine, bei dir fällt es nicht auf, daß du channelst, weil du so, wie du bist, damit zusammenfließt.

Ayya: Ich meditiere seit 30 Jahren und lehre seit 20 Jahren. Nonne bin ich seit 17 Jahren. Und das war ja gestern ganz entzückend, übrigens. Da wollte ein Mann wissen, wieso ich Nonne bin. Aber in wirklichkeit wollte er wissen, ob man denn das, was ich da erzähle, überhaupt im Alltag machen kann.
Und eigentlich wollte er sagen, ja, als Nonne ist das ja wunderbar, aber im Alltag kann man das nicht machen. Und da habe ich ja erzählt, daß ich erst mit 55 Jahren Nonne geworden bin, und da war ich schon dreifache Großmutter. Und daß ich 55 Jahre im Alltag gelebt habe und gemerkt habe, wie leicht man da unglücklich wird, und von daher erzähle ich ihnen jetzt, wie man glücklich werden kann. Das war für mich eine gefundene Gelegenheit, das mal von mir zu geben. Das hat vielen dann auch sehr gut gefallen. Also, wie gesagt, ich habe natürlich gearbeitet.

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Ich habe diese ganzen Sachen, von denen ich rede, alle selber erlebt. Die ganzen Schwierigkeiten, von denen ich rede. Ich kenne sie alle persönlich. habe sie alle mitgemacht. Aber ich habe auch durch die Buddha-Lehre und durch die Arbeit den Weg gefunden.

T & M: Aber es ist ja auch eine ganz bestimmte Qualität von Arbeit, die dazugehört. Das heißt, du mußt Verantwortung für das übernehmen, innerlich für das, was bei dir ist. Viele stürzen sich halt auf eine Technik. Ich kenne viele Buddhisten, wo ich das Gefühl habe, da passiert überhaupt nichts. Es ist eine innere Qualität der Arbeit, um die es geht.

Ayya: Das ist was Interessantes. Ich kann das auch immer nicht so richtig formulieren. Ich versuche es immer wieder. Es ist ein Satz, den ich immer wieder von mir gebe: „Wenn nicht ich, wer denn?“ – „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Du mußt dich richtig reinknien und sagen „So, es geht um mich! Kein anderer hat da überhaupt etwas mit zu tun. Ich muß jetzt damit klarkommen. Ich muß mich läutern“.
Dazu gehört natürlich auch eine unheimliche Ehrlichkeit zu sich selber, diese Ehrlichkeit zu sagen, ich bin aber noch nicht geläutert. Ich habe dies und jenes, das muß ich jetzt anpacken. Diese Ehrlichkeit schaffen die wenigsten.

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T & M: Und die Intensität, wie Buddha auf die Suche zu gehen und alles durchzuprobieren, egal, was es kostet. „Ich stehe unter dem Baum nicht mehr auf, bevor es nicht passiert ist.“

Ayya (zu Nyanabodhi, dem Mönch, der sie begleitet): Du hast doch heute gerade von dir gegeben „Man darf auch keine Minute aufhören“. Kannst du dich erinnern?

Nyanabodhi: Ja, keine Minute hat man Ferien, es ist ein Fulltime-Job, wenn man es ernstmeint. Sobald man mit der Bemühung nachläßt, geht man ja zurück. Mann kann bloß vorwärts oder rückwärts gehen, man kann nicht stillstehen.
Sobald man mit der Bemühung nachläßt, geht es wieder zurück, muß man wieder nachholen. Und wenn man das weiß, ist man schon vorsichtiger.

Ayya: Und wenn du dann eines Tages so lange schon geübt hast, dann kannst du gar nicht mehr anders. Achtsamkeit, das ist doch, was der Buddha lehrt, daß man auf sich selber aufpaßt die ganze Zeit. Es wird zur Gewohnheit.

Ayya Khema verließ
am 2. November 1997 ihren Körper.

Sie ernannte Nyanabodhi zu ihrem Nachfolger.

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