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Interview
mit Ayya Khema auf dem
1. Rainbow Spirit Festival 1995
Das Gespräch mit Ayya Khema wurde von Teresa und Mariam
(T & M) im Anschluß an Ayya Khemas (Ayya) Workshop
geführt.
Der Workshop war mit über zweihundert Personen unerwartet
gut besucht und das, obwohl schon am Vortag zu ihrem Vortrag
über 250 Besucher erschienen waren.
Was als Interview geplant war entpuppte sich als herzlich-offenes,
lockeres Gespräch und offenbarte Ayya Khemas einfache,
liebevolle und lustige Persönlichkeit. Mit ihr zu reden
war ein selten großes Vergnügen!
T & M: Wir würden gerne von dir wissen, ob es dir
gefallen hat,
was du hier auf dem Rainbow Spirit Festival erlebt hast.
Ayya: Also, ich muß ganz ehrlich sagen, ich hatte gar
keine Erwartungen, ich wußte überhaupt gar nicht,
was zu erwarten war und war sehr freudig überrascht,
daß so viele Menschen gekommen sind. Erst mal zum Vortrag
gestern schon. Wir haben es auf 250 geschätzt gestern,
ob das stimmt, weiß ich nicht…
T & M: Doch, das kommt hin…
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Ayya: Es sind allerdings doch - sagen wir mal - vielleicht
20-30 vor dem Ende des Vortrags rausgegangen. Also, ich nehme
ihnen da nicht etwa übel, sondern ich habe gedacht, na
ja, es interessiert sie nicht so. Während ich später
herumgegangen bin und mir die Ausstellung angesehen habe,
habe ich bemerkt, daß einige von ihnen Aussteller waren,
und für dies wird es wohl wieder nötig gewesen sein,
zurück zur Ausstellung zu gehen.
Was ich auch noch dazu sagen kann ist, daß die Zuhörer
unheimlich großzügig mit Spenden waren (Ayya Khema
leistet ihre Arbeit nach alter buddhistischer Tradition unentgeltlich
und lebt und reist ausschließlich von Spenden. Die Red.)
Sie waren enorm großzügig. Also, das ist ein Zeichen
dafür, daß es ihnen gut gefallen hat. Denn du gibst
ja keine Spende, wenn dir etwas nicht gefällt.
Also, da muß ich schon sagen, daß ich sehr berührt
davon war.
Und heute, das war noch erstaunlicher, weil du mir gestern
gesagt hast, es haben sich 80 angemeldet. Aber daß hier
mehr als 80 waren, das habe ich ja gleich gemerkt.
Ich kann das ja nicht alles zählen, aber das waren doch
keine achtzig…
T & M: Es waren zweihundert. Wir sind uns ziemlich
sicher. Ich (Mariam) habe sie auch nicht zählen können.
Wenn die Leute so durcheinander sitzen, ist es schwer, sie
zu zählen. Aber ich habe einfach eine Ecke gezählt
und dann hochgerechnet. Es ist ein Wunder, daß so viele
hineingingen, denn der Raum ist eigentlich nur für 150
vorgesehen.
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Ayya: Und sie waren sehr aufmerksam, haben sehr aufmerksam
zugehört und gute Fragen gestellt. Gestern auch, übrigens.
Die Fragen waren nicht irgendwelche dummen Sachen, sondern
gezielte Fragen, wo ich so das Gefühl hatte, daß
sie sich schon länger mit diesen Fragen beschäftigen.
Okay, einige Fragen waren auf mich gezielt, warum ich Nonne
bin und so etwas, das kommt immer vor. Aber viele Sachen,
wo man gehört hat, da haben sie schon lange drüber
nachgedacht. Und das fand ich sehr wichtig. Sehr schön!
Sie haben auch sehr gut zugehört und sich sehr bemüht
bei der Meditation. Ich bin sehr überrascht, eigentlich,
wie groß das Interesse war. Und da kann ich vielleicht
noch etwas sagen zu dem Rainbow Festival, was ich ja nur so
im Vorbeigehen mitgekriegt habe. Meiner Ansicht nach –
aber das ist eine persönliche Ansicht – suchen
die Menschen heute nicht mehr diese Sinnenfreuden. Die haben
sie sowieso. Es geht ihnen zu gut hier in Deutschland. Und
meiner Ansicht nach ist der Zeitpunkt gekommen, wo Leute,
die auf der Suche sind, in die Tiefe gehen wollen.
T & M: Richtig. Das ist genau unsere Wahrnehmung.
Das ist der Grund, warum wir dieses Festival gemacht haben:
Weil wir einfach das Gefühl hatten, daß das, was
normalerweise die ganze Zeit angeboten wird auf Esoterikmessen
oder ähnlichen Veranstaltungen, daß das einfach
nicht reicht. Daß dies zwar für viele Menschen
ein Einstieg ist, aber daß das Bedürfnis nach Tiefe
damit nicht befriedigt ist. Die Zeit ist reif für Meditation
und tiefgreifende Arbeit an sich selbst. Wir hatten das Bedürfnis,
dieser Entwicklung mit dem Festival Ausdruck zu geben, die
Möglichkeit zu eröffnen, ernsthaftere Angebote zu
machen. Also, wir wollen jetzt nicht über jedes Angebot
hier sagen, das war ein „Top-Angebot“. Aber der
Flair oder die Grundhaltung der meisten Aussteller hier ist
einfach eine ernsthaftere, als das, was auf Esoterikmessen
normalerweise läuft. Daß man sich einfach per Computer
die letzten zehn Leben ausrechnen läßt und so ähnliche
Sachen…
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Ayya: Das ist ja furchtbar. Ja, das ist also auch meine Ansicht.
Und darum glaube ich auch – also, ich weiß ja
nicht, ob ihr je wieder so etwas macht – daß gerade
die Meditation oder auch diese Weisheitslehren – nicht
nur die buddhistische, es gibt ja auch andere Weisheitslehren
– daß die doch sehr gefragt sind jetzt. Aber z.B.
hier wurde auch Tai Chi angeboten. Das finde ich auch einen
wichtigen Einstieg. Das ist Achtsamkeit. Das ist ein guter
Einstieg. Dabei müssen die Menschen was machen. Ich bin
immer dagegen, wenn die Leute nur passiv sind und ihnen irgendwas
hingereicht wird. Bei Tai Chi muß man etwas machen.
Das finde ich sehr gut. Sonst habe ich nicht so mitgekriegt,
was noch angeboten wurde, aber das fand ich schon sehr schön.
Jetzt hoffe ich, daß es für Euch auch erfolgreich
war, ich weiß es ja nicht.
T & M: Also, von den Besuchern her haben wir mehr erwartet.
Wir hätten auch gerne mehr Eintrittsgelder gehabt und
doch sind wir jetzt nicht mit Schulden herausgegangen. Das
ist gut. Wir haben zwar nicht das, was wir erhofft hatten,
daß wir die nächsten Monate mal so richtig halblang
machen könnten. Wir müssen schon gucken, wo wir
jetzt nach dem Festival finanziell bleiben.
Aber was uns verblüfft war, daß das Echo sowohl
bei den Ausstellern, als auch bei den Besuchern gigantisch
gut war. So gut, daß wir am Anfang sogar Schwierigkeiten
hatten, es anzunehmen. Die Leute kamen zuhauf zu uns und haben
sich persönlich dafür bedankt, daß wir das
gemacht haben.
Ayya: Na, das ist schön.
T & M: Es haben sich auch sehr viele bedankt,
daß du hier bist. Nach dem Vortrag gestern und auch
jetzt – wir haben unten gesessen – kamen viele
runter und haben sich nochmal extra dafür bedankt, daß
sie die Möglichkeit hatten, dich hier zu erleben. Wir
haben etwas erlebt, was wir noch nie auf Messen erlebt haben:
daß Aussteller, die mit Defizit rausgegangen sind, sich
trotzdem für die Erfahrung bedankt haben und gesagt haben,
daß sie nächstes Jahr wiederkommen.
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Ayya: Oh, also ihr wollt’s wieder machen!
T & M: Ja. Wir hatten gestern eigentlich schon fast beschlossen,
es nicht mehr zu machen, weil es so viel Anstrengung war.
Doch ganz viele Leute – und gerade auch die, die keinen
finanziellen Gewinn daraus gezogen haben – haben uns
alle bestürmt, wir sollen es wieder machen. Es ist unwahrscheinlich
viel Liebe auf diesem Festival frei geworden.
Ayya: Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben hier in Baden-Baden.
Ich war noch nie hier. Eine wunderschöne Stadt. Also,
ich muß sagen, hier ist es ja wirklich bildschön.
Wir haben eine kleine Stadtrundfahrt gemacht, denn ich bin
nicht sehr gut zu Fuß. Das ist milde gesagt (lacht).
Und was man mir erzählt hat – ich habe ja nicht
mit so vielen Leuten gesprochen – daß hier in
Baden-Baden Meditation kaum angeboten wird. Das ist hier neu.
Ihr seid da ja sozusagen der Hebel dafür. Also, das finde
ich sehr schön – sehr erfreulich.
T & M: Für uns schließt sich mit dem Festival
ein Kreis. Wir haben vor zwei Jahren hier unser Meditationszentrum
eröffnet, aber das Interesse an Meditation war nicht
groß genug, um das Zentrum zu finanzieren. Deshalb haben
wir dann die Regenbogen Mandala herausgegeben und in der Folge
das Festival ins Leben gerufen. Durch das Festival erhoffen
wir uns jetzt natürlich ein gesteigertes Interesse an
Meditation und unserem Zentrum.
Ayya: Aber jetzt habt ihr doch auch einen Laden?
T & M: Ja.
Ayya: Und was habt ihr da zu verkaufen? Also, ich
weiß, ihr habt von uns Bücher.
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T & M: Also, wir haben Bücher, CDs, Kassetten und
Aromaöle, Räucherwerk, Buddhas und Meditationskissen.
Es ist ein Laden mit dem Zubehör zur spirituellen Szene.
Wir legen auch sehr viel Wert auf schöne Dinge, auf spirituelle
Kunst usw. Durch den Laden merken wir, daß in Baden-Baden
und Umgebung ein sehr großer Bedarf da ist. Es kommen
sehr viele ältere Leute herein. Das ist erstaunlich.
Ayya: Ja, wunderbar.
T & M: Übrigens, dein Heftchen „Worum geht
es eigentlich?“ ist der Renner im Laden.
Ayya: Ach nee, das ist ja niedlich.
(Alle lachen)
T & M: Ja, das interessiert die Leute. „Worum geht
es eigentlich?“
Ayya: Das war ein Vortrag, den ich während eines Meditationskurses
bei uns gehalten habe, als alle angefangen haben zu schwatzen
und spazierenzugehen. Als sie dann wiederkamen, habe ich ihnen
diesen Vortrag gegeben. „Worum geht es eigentlich?“
(lacht) „Was macht ihr hier eigentlich, wozu seid ihr
eigentlich hergekommen?“ So ist das entstanden. Ihr
wollt also das Festival nächstes Jahr wieder machen?!
T & M: Ja, und wir wollen dich gerne wieder einladen.
Das ist unsere nächste Frage – ob du wiederkommen
kannst?
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Ayya: Ja, ich denke schon. Ich glaube nicht, daß ich
da etwas vorhabe. Ich denke, das geht schon. aber ich muß
zu Hause nachschauen.
T & M: Eine Frage müsssen wir noch loswerden. Kannst
du etwas zu Channeling sagen, diesem Phänomen, das in
den letzten Jahren so stark zunimmt? Immer mehr Medien und
Channels treten auf, Leute, die Kontakt zu Geistwesen aufnehmen.
Man kann ja nicht nur einfach bei allem sagen, das ist Humbug,
sondern da kommt tatsächlich sehr viel Wahres, Spürbares
rüber. Welche Rolle spielt dieses Phänomen eigentlich
und was ist die Ursache davon?
Ayya: Also, das ist eine jetzt ganz persönliche
Meinung, die ich da von mir gebe. Wir leben in einer Zeit,
die für den Menschen gefährlich ist. Ich sehe es
so, daß wir uns selbst sehr leicht vernichten können.
Das ist gar keine Frage. es ist möglich, daß der
Mensch einfach nicht mehr auf diesem Erdball existieren wird,
so wie er jetzt da ist. Und daß eben sehr viel Schlechtes
im Umlauf ist. Da gibt es Krieg, aber nicht nur Krieg, sondern
alles mögliche Schlechte. Und es gibt natürlich,
sagen wir mal, „höhere Wesen“. Wir nennen
sie Devas. Daß die existieren ist gar keine Frage. Und
die sind daran interessiert, daß sie hier wenigstens
die Balance halten können. Daß das Gute mit dem
Schlechten die Balance halten kann. Wenn jemand wirklich seriös
ist und sich dem zur Verfügung stellen und der Welt helfen
will, so ist es möglich daß er ein Channel wird,
daß sie durch ihn hindurch arbeiten können. Die
können nicht durch jeden durch. Die meisten Menschen
sind ja zu sehr verschlossen. Da kann kein Deva durch.
T & M: Da kann auch kein Mensch durch!
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(Alle lachen)
Ayya: Ja, das stimmt. Aber es gibt Menschen, die offen sind,
z.B. Geistheiler, die sind auch offen. Habt ihr mal Edgar
Cayce gelesen? Der war ein absoluter Channel für Ärzte.
Es gibt also Menschen, die sind absolut offen und haben sich
hingegeben und wollen geben. Da kriegen die höheren Wesen
eine Möglichkeit, durchzukommen. Die versuchen überall
durchzukommen, um die Balance herzustellen zwischen dem Schlechten
und dem Guten. Und natürlich gibt es da auch Humbug.
Das ist klar. Das gibt es bei allem. Es ist nicht leicht ,
daß auseinander zu sortieren.
T & M: Da kann man nur hinspüren.
Ayya: Ja, das muß sein. Ich glaube, das kann man schon
spüren, ob das ernst ist oder nicht. Aber ich bin ganz
sicher, daß da absolut auch ernsthafte Sachen passieren.
T & M: Ich glaube, eine gute Orientierung ist immer,
wenn jemand sehr einfach ist.
Ayya: Ja. Das hat der Buddha übrigens gesagt. Die beste
Art und Weise, das Dhamma zu lehren, ist, ganz einfache Erklärungen
abzugeben. Ich kann sowieso keine schwierigen abgeben. Das
fällt mir also leicht. Mir war nicht bewußt, daß
es immer mehr Channels gibt.
T & M: Es sind unglaublich viele. Ich weiß
nicht, ob du die Künstler unten wahrgenommen hast. Sehr
viele Bilder sind gechannelte Bilder.
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Ayya: Aha. Die setzen sich einfach hin und das kommt durch.
T & M: Ja, z.B. Joachim Karras (hier auf dem Festival)
hat sehr schöne Bilder gemalt und sagt, daß er
in ganz bestimmten Momenten, in einer bestimmten inneren Verfassung,
genau spürt, was da jetzt gemalt werden will. Und dann
fließt es. Man sieht es auch an den Bildern. Das ist
nichts, was man machen kann. Und wenn man die Bilder anschaut,
ist man berührt. Er hat eine Madonna gemalt, die ist
wunderschön. Wir schicken dir ein Bild.
Ayya: Also, ich unterschreibe, daß das unbedingt möglich
ist und vielleicht immer mehr wird, weil es immer schlimmer
wird auf der Welt. Weil wir immer mehr in Unordnung bringen,
immer mehr die Umwelt verschmutzen, immer mehr Kriege…
Es ist ja fürchterlich. Unbedingt sind da Channels vorhanden.
T & M: Uns verwirrt es manchmal, wieviele Channels es
gibt und uns begegnen. Manche wirken oft auch sehr abgehoben,
und das kollidiert dann ab und zu mit uns, weil wir uns eher
auf einer meditativen, erdigen Ebene bewegen.
Ayya: Ich verstehe, was ihr sagt. Vielleicht könnt
ihr noch folgendes in Betracht ziehen.
In der Buddha-Lehre gibt es 31 Bewußtseinsebenen. Die
fängt an mit der Hölle, also der tiefsten Ebene.
Und dann gibt es die hungrigen Geister, dann gibt es die Titanen
oder Asuras; dann gibt es die Tiere und dann kommt der Mensch.
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Der Mensch ist die fünfte Ebene von unten. Dann geht
es weiter mit den Devas. Und die höchsten vier sind die
Götter. Das sind die verschiedenen Bewußtseinsebenen.
Und wenn sich jetzt einer wirklich als Channel öffnet,
muß er Kontakt haben mit einer von den Deva-Ebenen.
Dieser Kontakt ist gefühlsmäßig, muß
gefühlsmäßig sein. Es gibt aber auch Menschen,
die sogar optisch sehen, aber das sind ganz wenige. Dieser
Kontakt ist eben, wenn sich jemand hingegeben hat und sagt,
„nicht ich, sondern dein Wille geschehe“. „Dein“
muß nicht was Bestimmtes sein.
Kontakt mit diesen Ebenen ist möglich, das ist überhaupt
keine Frage. Aber natürlich nicht für jeden. Aber
dann muß ich noch etwas Persönliches dazu sagen,
was euch sicher interessieren wird.
Meine Sprache ist logisch und analytisch, weil ich auch einen
analytischen Geist habe. Aber wenn ich mich hinsetze zum Lehren,
habe ich nichts damit zu tun. Das kommt alles durch.
M: Ja, das muß so sein. Ich war gestern bis zu den
Fragen da und dann mußte ich wieder raus.
Ich habe einfach gespürt „so kann Ego nicht reden,
das muß durch sie hindurch passieren.“
Es ist menschenunmöglich, so ein langes Stück in
freiem Fluß zu reden. Das ist auch etwas, was wir verstehen.
Das passiert uns auch, daß wir das Gefühl haben,
nicht selber zu reden, sondern es einfach fließt und
„es passiert“, „es redet“.
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Ayya: Ja, das ist Channeling.
T & M: Ich glaube, das , was wir noch nicht verstehen,
ist die Tatsache, daß viele Leute, wenn sie in diesem
Zustand sind, Dinge sagen, die wunderschön sind. Und
es ist auch die Präsenz von Liebe da. Und dann triffst
du sie ein paar Stunden später im Alltag und sie sind
völlig unbewußt und unsensibel. Das empfindet man
dann als einen ziemlichen Hammer.
Ayya: Die haben nicht praktiziert.
T & M: Da ist eine Spaltung da.
Ayya: Ja, dazu muß man richtig praktizieren. Man kann
sich nicht darauf verlassen, daß das durch einen durchläuft,
sondern man muß üben. Und wenn man übt, dann
ist man das eines Tages. Dann ist man nicht nur derjenige,
der channelt, der erzählt, sondern man ist es dann. Aber
das habe ich ja gestern in dem Vortrag, glaube ich, zwanzig
mal gesagt. Das muß man machen. Man muß sich hinsetzen
und es tun. Das ist die Arbeit. Ich hatte gedacht, ich habe
die alle verscheucht. Aber es sind ja alle wiedergekommen.
T & M: Viele sind an dem Punkt, wo sie wissen,
daß sie etwas tun müssen, daß es in ihrer
Verantwortung liegt. Und sie warten darauf, daß ihnen
jemand sagt, daß es die Möglichkeit gibt, dies
zu tun.
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Ayya: Ich habe die buddhistische Lehre, natürlich
nicht alles, aber das, was ich für nötig fand, auswendig
gelernt, sodaß ich die Terminologie weiß. Ich
weiß, wo ich mich hinzuwenden habe. Ich habe mir noch
nie vorher einen Vortrag überlegt. Ich habe immer nur
ein Konzept, wovon ich reden werde. Das ist alles. sehr häufig
mache ich mir einen ersten Satz zurecht, damit es mal anfängt.
Zum Beispiel heute hast du gesagt „Die sollen schön
zuhören“. Da habe ich gesagt „Die sollen
nicht zuhören, die sollen machen.“
T & M: Also der Punkt ist im Grunde, wenn jemand channelt,
heißt das, daß er offen ist für Energien.
Aber es heißt nicht, daß er nicht trotzdem auch
Bewußtseinsarbeit leisten muß, um mit dem, was
er da vermittelt, eins zu werden. Ich meine, bei dir fällt
es nicht auf, daß du channelst, weil du so, wie du bist,
damit zusammenfließt.
Ayya: Ich meditiere seit 30 Jahren und lehre seit
20 Jahren. Nonne bin ich seit 17 Jahren. Und das war ja gestern
ganz entzückend, übrigens. Da wollte ein Mann wissen,
wieso ich Nonne bin. Aber in wirklichkeit wollte er wissen,
ob man denn das, was ich da erzähle, überhaupt im
Alltag machen kann.
Und eigentlich wollte er sagen, ja, als Nonne ist das ja wunderbar,
aber im Alltag kann man das nicht machen. Und da habe ich
ja erzählt, daß ich erst mit 55 Jahren Nonne geworden
bin, und da war ich schon dreifache Großmutter. Und
daß ich 55 Jahre im Alltag gelebt habe und gemerkt habe,
wie leicht man da unglücklich wird, und von daher erzähle
ich ihnen jetzt, wie man glücklich werden kann. Das war
für mich eine gefundene Gelegenheit, das mal von mir
zu geben. Das hat vielen dann auch sehr gut gefallen. Also,
wie gesagt, ich habe natürlich gearbeitet.
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Ich habe diese ganzen Sachen, von denen ich rede, alle selber
erlebt. Die ganzen Schwierigkeiten, von denen ich rede. Ich
kenne sie alle persönlich. habe sie alle mitgemacht.
Aber ich habe auch durch die Buddha-Lehre und durch die Arbeit
den Weg gefunden.
T & M: Aber es ist ja auch eine ganz bestimmte Qualität
von Arbeit, die dazugehört. Das heißt, du mußt
Verantwortung für das übernehmen, innerlich für
das, was bei dir ist. Viele stürzen sich halt auf eine
Technik. Ich kenne viele Buddhisten, wo ich das Gefühl
habe, da passiert überhaupt nichts. Es ist eine innere
Qualität der Arbeit, um die es geht.
Ayya: Das ist was Interessantes. Ich kann das auch
immer nicht so richtig formulieren. Ich versuche es immer
wieder. Es ist ein Satz, den ich immer wieder von mir gebe:
„Wenn nicht ich, wer denn?“ – „Wenn
nicht jetzt, wann dann?“ Du mußt dich richtig
reinknien und sagen „So, es geht um mich! Kein anderer
hat da überhaupt etwas mit zu tun. Ich muß jetzt
damit klarkommen. Ich muß mich läutern“.
Dazu gehört natürlich auch eine unheimliche Ehrlichkeit
zu sich selber, diese Ehrlichkeit zu sagen, ich bin aber noch
nicht geläutert. Ich habe dies und jenes, das muß
ich jetzt anpacken. Diese Ehrlichkeit schaffen die wenigsten.
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T & M: Und die Intensität, wie Buddha auf die Suche
zu gehen und alles durchzuprobieren, egal, was es kostet.
„Ich stehe unter dem Baum nicht mehr auf, bevor es nicht
passiert ist.“
Ayya (zu Nyanabodhi, dem Mönch,
der sie begleitet): Du hast doch heute gerade von
dir gegeben „Man darf auch keine Minute aufhören“.
Kannst du dich erinnern?
Nyanabodhi: Ja, keine Minute hat man Ferien,
es ist ein Fulltime-Job, wenn man es ernstmeint. Sobald man
mit der Bemühung nachläßt, geht man ja zurück.
Mann kann bloß vorwärts oder rückwärts
gehen, man kann nicht stillstehen.
Sobald man mit der Bemühung nachläßt, geht
es wieder zurück, muß man wieder nachholen. Und
wenn man das weiß, ist man schon vorsichtiger.
Ayya: Und wenn du dann eines Tages so lange schon geübt
hast, dann kannst du gar nicht mehr anders. Achtsamkeit, das
ist doch, was der Buddha lehrt, daß man auf sich selber
aufpaßt die ganze Zeit. Es wird zur Gewohnheit.
Ayya Khema verließ
am 2. November 1997 ihren Körper.
Sie ernannte Nyanabodhi zu ihrem Nachfolger.
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