One Spirit Magazin 2002

Zum Inhaltsverzeichnis

Interview mit Chandana

Wie kommt es, dass du Satsang gibst?

Das frage ich mich manchmal auch.
Es fing damit an, dass DAS sich einfach in Worte formulierte. Nach diesem klaren Sehen, wie immer man es nennen mag, letztes Jahr im Frühjahr, formulierte sich DAS plötzlich. Erst zu Hause mit meinem Freund, dann wenn Freunde da waren.

Dann fragte ich Samarpan, was ich machen soll. Er verstand, dass ich diesen Frieden, dieses, was ich bin und was jeder ist, teilen möchte. So kam es, dass ich Satsang gebe. Man könnte das auch ganz anderes nennen, z.B. in Wahrheit zusammen sein. Wie auch immer diese Treffen genannt werden, die Namen sind unwichtig.

Wie hat deine spirituelle Suche begonnen?

Ich weiß jetzt, dass meine spirituelle Suche in diesem Leben mit meiner Geburt begonnen hat, da ich Erinnerungen daran habe.

Da war unendlicher Raum, stiller Raum, unendlich köstlich. Ich war dieser Raum und ich kam aus diesem Raum. Es gab nur DAS.

Im Alter von einem halben Jahr verlor ich meine Eltern. Das war ein unsagbar schmerzvolles Erlebnis für mich, das sicher auch zu all meinem Suchen beitrug. So ungefähr mit drei Jahren hatte ich ein Erlebnis, das man vielleicht als Satori bezeichnen könnte. Ich war ohne sichtbaren Grund in unsagbares Glück getaucht.

[zum Seitenanfang]

Meine Kindheit ist mir in Erinnerung voller Liebe – und voller Lieblosigkeit. Ich war immer wieder in tiefer Stille, auch weil ich oft nicht wusste, was ich tun sollte. Während meiner gesamten Jugendzeit brannte eine starke Sehnsucht in mir, die ich nicht formulieren konnte.

Ich wusste nicht, nach was ich mich sehnte. Diese Sehnsucht war ohne Worte, aber sie war ganz deutlich da und brannte in mir. Nichts und niemand konnte mir das beantworten.
Meine bewusste Suche begann, als ich mit 21 Jahren J. Krishnamurti traf. Er berührte mich tief. Er sagte einfach die Wahrheit.

Wer waren oder sind deine Lehrer?

Ganz bestimmt war alles, was mich in meinem Leben berührt hat, ob freudvoll oder unangenehm, ein Lehrer für mich. Das Licht, Blumen und Bäume, Katzen und Hunde, Tiere überhaupt, der Wolkenhimmel, der Winter, der Frühling, Sommer, Herbst, ein Gewitter, alles...

Alle Menschen, mit denen ich in meinem Leben zu tun hatte waren Lehrer für mich. Auch die Musik war ein Lehrer. Jetzt weiß ich, dass DAS überall ist, dass nichts ohne DAS sein kann.
Ich zähle auch meine Kinder zu den ganz wichtigen Lehrern in meinem Leben. Sie haben mich so unendlich berührt, als Neugeborene, als Inkarnation DESSEN.

Meine zweite Tochter war gerade eine Woche alt, als sie in meinen Armen lag und nicht mehr aufhörte aus tiefster Freude zu lachen.

J. Krishnamurti machte mir klar, dass das Leben immer jetzt ist.
Dann waren da Meister, die ich durch Bücher kennen lernte. Es gab viele. Ich möchte einige erwähnen, die mich besonders berührt haben, so wie Chuang Tsu.

[zum Seitenanfang]

Während meine Kinder Mittagsschlaf hielten, genügte oft eine Seite aus Chuang Tsu´s „Das Buch vom Südlichen Blütenland“ und Raum und Zeit verschwanden. Dann war da Ramana Maharshi, den ich über Jahre nur vom Photo her kannte und sein Bild so liebte, ohne zu wissen, wer dieser geliebte Mensch auf dem Photo war. Durch seine Frage, wer bin ich, fiel ich in unendliche Tiefen.

Es war so um 1980 als ich die ersten Bücher von Osho in die Hand bekam. Ich finde auch jetzt immer noch keine Worte, um auszudrücken, wie sehr ich dadurch berührt war und wie sehr Osho mein Leben beeinflusste. Ich weiß es nicht mehr so genau. Es war 1986 oder 87, als ich Sannyas nahm. Meine Beziehung zu Osho ist unbeschreibbar.

Osho sagte einmal, wenn man höre, ein Erwachter sei in der Nähe, solle man ihn sich anschauen. So ging ich zu vielen der Satsang-Lehrer, die plötzlich überall auftauchten. Ich war bei Sufi-Babu, Shantimayi, Mikaire, OM, Pyar, Tyohar und bei Samarpan. Ich kann sagen, dass ich sie alle liebte. Bei manchem war es ein Satz, der mich besonders berührte. So erinnere ich Tyohars Ausspruch:“ You are that silence.“ („Du bist dieses Schweigen“).

Ich durchlebte eine Periode von jahrelangem, abgründigem Schmerz. Mein Leben wurde nur noch in Schmerz empfunden. Sämtliche vergangene Wunden von Geburt an, fingen erneut an zu bluten. Es war eine Zeit großer Trauer und Desillusionierung. Im Annehmen dieses Schmerzes fand ich eine ungeahnte Freiheit. Man kann sagen, dass dieser Schmerz ein großer Lehrer war.

Nach dieser Zeit begegnete ich Samarpan und konnte sehen, dass er die Wahrheit spricht. Ich liebte seine ehrliche und bescheidene Art und seinen Humor. Er war ein Buddha und ein Freund. Obwohl ich sehr schüchtern war stellte ich ihm Fragen, erst nach dem Satsang. Ich bot ihm meine kleine Wohnung an für die Zeit, wenn er in Köln Satsang gibt. Dort konnte ich ihn dann alles fragen, was ich noch nie jemanden fragen konnte.

[zum Seitenanfang]

Einmal fragte er mich morgens beim Frühstück: „Was ist los?“ Es ging mir nicht besonders gut und er sagte: „Geh in die Mitte davon.“ Nach einer Weile fragte er wieder: „Was ist jetzt?“ Ich sagte: „Es ist nur DAS. Es ist ganz still. Es ist nur weit. Es hat keine Grenzen. Es ist immer da.“ Samarpan sagte: „Das ist ES.“ Später sagte er: „Gib alles DEM.“Einmal sagte ich zu Samarpan: „Ich weiß nicht, was du für mich bist.“ Er antwortete: „I like the role of a midwife.“ (“Ich spiele gern die Rolle einer Hebamme“).

Jetzt kann ich sehen, dass ich schon immer DAS war, nur DAS. Das, was man als wahres Selbst bezeichnet. Alle die äußeren Lehrer und Meister haben mich dahin gebracht, mich als DAS zu erkennen. Das, was wir wirklich sind, erkennt sich selbst als DAS. DAS ist der letztendliche Lehrer, der Satguru.

Haben dir bestimmte Meditationstechniken geholfen und empfiehlst du bestimmte Meditationstechniken jetzt?

Als Osho-Sannyasin habe ich an unzähligen aktiven Meditationen teilgenommen (No-Mind, Devavani, Kundalini, Dynamische, Mystic Rose und vielen mehr). Am allerliebsten mochte ich die Vipassana-Meditation, einfach nur sitzen und wach beobachten.

Diese Meditationen reinigen diefeineren, subtileren Körper vom Staub der Vergangenheit und Bewusstsein wird wie von selbst geweckt. Osho Meditationen sind pures Gold. Wenn sich jemand von diesen Meditationen angezogen fühlt, ist es bestimmt richtig, sie zu machen. Satsang zählt nicht zu den Meditationstechniken. Ich mag Satsang trotzdem in diesem Zusammenhang erwähnen, da er eine immense Möglichkeit birgt, dass Bewusstsein aufwacht.

Wenn ich etwas empfehlen sollte, dann dieses Sitzen in Stille, dabei alles annehmen. Und allmählich setzt sich alles, indem alles angenommen wird, was da auftaucht, alle Gedanken und alle Emotionen. Alles kommt zur Ruhe und dann ist da einfach das ganz natürliche DAS. Weil DAS immer da ist, auf uns wartet, liebevoll. In DAS hinein entspannen!

[zum Seitenanfang]

Aber da ist noch etwas, was wir ursprünglich von Ramana bekommen haben und so unsagbar wertvoll ist: Du kannst genau jetzt in diesem Moment erkenn, dass du frei bist und es schon immer warst! In diesem Sehen hörst du auf, ein Sucher zu sein. Dann hast du immer die Wahl deine Aufmerksamkeit DEM zu geben, was du WIRKLICH bist oder der Illusion. Meditationstechniken dienen dann nicht mehr der Suche. Sie könnten dann noch als Vertiefen des Erkannten praktiziert werden, aus Hingabe, aus Freude und Liebe, oder auch gar nicht mehr. Das Leben wird dann zur Meditation und die Quelle, dein wahres Selbst schaut auf den wilden Tanz des Lebens.

Macht es für dich einen Unterschied, ob du dich einfach so mit Freunden unterhältst oder ob du formellen Satsang gibst?

Da ist niemand, der Satsang gibt. Satsang gibt sich selbst, aus sich selbst heraus. Es ist immer DAS da, was ich bin und was du bist. Es mag äußerlich ein Unterschied erscheinen. Wenn wir über DAS sprechen, dann ist unsere Aufmerksamkeit ganz DA. Wenn wir darüber sprechen, was wir heute abend essen werden, dann ist Aufmerksamkeit sowohl DA, als auch bei dem jeweiligen Gesprächsthema.

Trotzdem gibt es immer wieder Momente von Identifikation. Diese werden sehr schnell gesehen und lösen sich auf. Dieses Körper-Verstand-Phänomen ist eine sehr konservative Erscheinung. Sie mag immer zum Bekannten, einmal Gelernten ermahnen. Das kann bis zum Ende des Körpers so sein.

Ist es für einen Suchenden hilfreich, an Plätze zu gehen wie Tiruvanamalai, Poona oder Pondicherry, an denen Erleuchtete lange Zeit gewirkt haben?

Alle diese Plätze haben eine Schwingung der Wahrheit. Wenn du emfpänglich bist, nimmst du diese Schwingung auf und sie wirkt wie eine Rückerinnerung an das, was du bist. Die Gefahr dabei ist aber, dass du das Gefühl bekommst, die Wahrheit ist nur in Indien oder an speziellen, heiligen Plätzen zu finden.

Die Wahrheit ist überall. Es gibt keinen Platz, wo nicht Wahrheit ist. Ich konnte die Wahrheit meines Selbst in einer stinkigen, lauten, westlichen Großstadt erkennen.

[zum Seitenanfang]