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Interview
mit Chandana
Wie kommt es, dass du Satsang gibst?
Das frage ich mich manchmal auch.
Es fing damit an, dass DAS sich einfach in Worte formulierte.
Nach diesem klaren Sehen, wie immer man es nennen mag, letztes
Jahr im Frühjahr, formulierte sich DAS plötzlich.
Erst zu Hause mit meinem Freund, dann wenn Freunde da waren.
Dann fragte ich Samarpan, was ich machen soll. Er verstand,
dass ich diesen Frieden, dieses, was ich bin und was jeder
ist, teilen möchte. So kam es, dass ich Satsang gebe.
Man könnte das auch ganz anderes nennen, z.B. in Wahrheit
zusammen sein. Wie auch immer diese Treffen genannt werden,
die Namen sind unwichtig.
Wie hat deine spirituelle Suche begonnen?
Ich weiß jetzt, dass meine spirituelle Suche in diesem
Leben mit meiner Geburt begonnen hat, da ich Erinnerungen
daran habe.
Da war unendlicher Raum, stiller Raum, unendlich köstlich.
Ich war dieser Raum und ich kam aus diesem Raum. Es gab nur
DAS.
Im Alter von einem halben Jahr verlor ich meine Eltern.
Das war ein unsagbar schmerzvolles Erlebnis für mich,
das sicher auch zu all meinem Suchen beitrug. So ungefähr
mit drei Jahren hatte ich ein Erlebnis, das man vielleicht
als Satori bezeichnen könnte. Ich war ohne sichtbaren
Grund in unsagbares Glück getaucht.
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Meine Kindheit ist mir in Erinnerung voller Liebe –
und voller Lieblosigkeit. Ich war immer wieder in tiefer Stille,
auch weil ich oft nicht wusste, was ich tun sollte. Während
meiner gesamten Jugendzeit brannte eine starke Sehnsucht in
mir, die ich nicht formulieren konnte.
Ich wusste nicht, nach was ich mich sehnte. Diese Sehnsucht
war ohne Worte, aber sie war ganz deutlich da und brannte
in mir. Nichts und niemand konnte mir das beantworten.
Meine bewusste Suche begann, als ich mit 21 Jahren J. Krishnamurti
traf. Er berührte mich tief. Er sagte einfach die Wahrheit.
Wer waren oder sind deine Lehrer?
Ganz bestimmt war alles, was mich in meinem Leben berührt
hat, ob freudvoll oder unangenehm, ein Lehrer für mich.
Das Licht, Blumen und Bäume, Katzen und Hunde, Tiere
überhaupt, der Wolkenhimmel, der Winter, der Frühling,
Sommer, Herbst, ein Gewitter, alles...
Alle Menschen, mit denen ich in meinem Leben zu tun hatte
waren Lehrer für mich. Auch die Musik war ein Lehrer.
Jetzt weiß ich, dass DAS überall ist, dass nichts
ohne DAS sein kann.
Ich zähle auch meine Kinder zu den ganz wichtigen Lehrern
in meinem Leben. Sie haben mich so unendlich berührt,
als Neugeborene, als Inkarnation DESSEN.
Meine zweite Tochter war gerade eine Woche alt, als sie
in meinen Armen lag und nicht mehr aufhörte aus tiefster
Freude zu lachen.
J. Krishnamurti machte mir klar, dass das Leben immer jetzt
ist.
Dann waren da Meister, die ich durch Bücher kennen lernte.
Es gab viele. Ich möchte einige erwähnen, die mich
besonders berührt haben, so wie Chuang Tsu.
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Während meine Kinder Mittagsschlaf hielten, genügte
oft eine Seite aus Chuang Tsu´s „Das Buch vom
Südlichen Blütenland“ und Raum und Zeit verschwanden.
Dann war da Ramana Maharshi, den ich über Jahre nur vom
Photo her kannte und sein Bild so liebte, ohne zu wissen,
wer dieser geliebte Mensch auf dem Photo war. Durch seine
Frage, wer bin ich, fiel ich in unendliche Tiefen.
Es war so um 1980 als ich die ersten Bücher von Osho
in die Hand bekam. Ich finde auch jetzt immer noch keine Worte,
um auszudrücken, wie sehr ich dadurch berührt war
und wie sehr Osho mein Leben beeinflusste. Ich weiß
es nicht mehr so genau. Es war 1986 oder 87, als ich Sannyas
nahm. Meine Beziehung zu Osho ist unbeschreibbar.
Osho sagte einmal, wenn man höre, ein Erwachter sei
in der Nähe, solle man ihn sich anschauen. So ging ich
zu vielen der Satsang-Lehrer, die plötzlich überall
auftauchten. Ich war bei Sufi-Babu, Shantimayi, Mikaire, OM,
Pyar, Tyohar und bei Samarpan. Ich kann sagen, dass ich sie
alle liebte. Bei manchem war es ein Satz, der mich besonders
berührte. So erinnere ich Tyohars Ausspruch:“ You
are that silence.“ („Du bist dieses Schweigen“).
Ich durchlebte eine Periode von jahrelangem, abgründigem
Schmerz. Mein Leben wurde nur noch in Schmerz empfunden. Sämtliche
vergangene Wunden von Geburt an, fingen erneut an zu bluten.
Es war eine Zeit großer Trauer und Desillusionierung.
Im Annehmen dieses Schmerzes fand ich eine ungeahnte Freiheit.
Man kann sagen, dass dieser Schmerz ein großer Lehrer
war.
Nach dieser Zeit begegnete ich Samarpan und konnte sehen,
dass er die Wahrheit spricht. Ich liebte seine ehrliche und
bescheidene Art und seinen Humor. Er war ein Buddha und ein
Freund. Obwohl ich sehr schüchtern war stellte ich ihm
Fragen, erst nach dem Satsang. Ich bot ihm meine kleine Wohnung
an für die Zeit, wenn er in Köln Satsang gibt. Dort
konnte ich ihn dann alles fragen, was ich noch nie jemanden
fragen konnte.
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Einmal fragte er mich morgens beim Frühstück:
„Was ist los?“ Es ging mir nicht besonders gut
und er sagte: „Geh in die Mitte davon.“ Nach einer
Weile fragte er wieder: „Was ist jetzt?“ Ich sagte:
„Es ist nur DAS. Es ist ganz still. Es ist nur weit.
Es hat keine Grenzen. Es ist immer da.“ Samarpan sagte:
„Das ist ES.“ Später sagte er: „Gib
alles DEM.“Einmal sagte ich zu Samarpan: „Ich
weiß nicht, was du für mich bist.“ Er antwortete:
„I like the role of a midwife.“ (“Ich spiele
gern die Rolle einer Hebamme“).
Jetzt kann ich sehen, dass ich schon immer DAS war, nur
DAS. Das, was man als wahres Selbst bezeichnet. Alle die äußeren
Lehrer und Meister haben mich dahin gebracht, mich als DAS
zu erkennen. Das, was wir wirklich sind, erkennt sich selbst
als DAS. DAS ist der letztendliche Lehrer, der Satguru.
Haben dir bestimmte Meditationstechniken geholfen
und empfiehlst du bestimmte Meditationstechniken jetzt?
Als Osho-Sannyasin habe ich an unzähligen aktiven Meditationen
teilgenommen (No-Mind, Devavani, Kundalini, Dynamische, Mystic
Rose und vielen mehr). Am allerliebsten mochte ich die Vipassana-Meditation,
einfach nur sitzen und wach beobachten.
Diese Meditationen reinigen diefeineren, subtileren Körper
vom Staub der Vergangenheit und Bewusstsein wird wie von selbst
geweckt. Osho Meditationen sind pures Gold. Wenn sich jemand
von diesen Meditationen angezogen fühlt, ist es bestimmt
richtig, sie zu machen. Satsang zählt nicht zu den Meditationstechniken.
Ich mag Satsang trotzdem in diesem Zusammenhang erwähnen,
da er eine immense Möglichkeit birgt, dass Bewusstsein
aufwacht.
Wenn ich etwas empfehlen sollte, dann dieses Sitzen in Stille,
dabei alles annehmen. Und allmählich setzt sich alles,
indem alles angenommen wird, was da auftaucht, alle Gedanken
und alle Emotionen. Alles kommt zur Ruhe und dann ist da einfach
das ganz natürliche DAS. Weil DAS immer da ist, auf uns
wartet, liebevoll. In DAS hinein entspannen!
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Aber da ist noch etwas, was wir ursprünglich von Ramana
bekommen haben und so unsagbar wertvoll ist: Du kannst genau
jetzt in diesem Moment erkenn, dass du frei bist und es schon
immer warst! In diesem Sehen hörst du auf, ein Sucher
zu sein. Dann hast du immer die Wahl deine Aufmerksamkeit
DEM zu geben, was du WIRKLICH bist oder der Illusion. Meditationstechniken
dienen dann nicht mehr der Suche. Sie könnten dann noch
als Vertiefen des Erkannten praktiziert werden, aus Hingabe,
aus Freude und Liebe, oder auch gar nicht mehr. Das Leben
wird dann zur Meditation und die Quelle, dein wahres Selbst
schaut auf den wilden Tanz des Lebens.
Macht es für dich einen Unterschied, ob du dich
einfach so mit Freunden unterhältst oder ob du formellen
Satsang gibst?
Da ist niemand, der Satsang gibt. Satsang gibt sich selbst,
aus sich selbst heraus. Es ist immer DAS da, was ich bin und
was du bist. Es mag äußerlich ein Unterschied erscheinen.
Wenn wir über DAS sprechen, dann ist unsere Aufmerksamkeit
ganz DA. Wenn wir darüber sprechen, was wir heute abend
essen werden, dann ist Aufmerksamkeit sowohl DA, als auch
bei dem jeweiligen Gesprächsthema.
Trotzdem gibt es immer wieder Momente von Identifikation.
Diese werden sehr schnell gesehen und lösen sich auf.
Dieses Körper-Verstand-Phänomen ist eine sehr konservative
Erscheinung. Sie mag immer zum Bekannten, einmal Gelernten
ermahnen. Das kann bis zum Ende des Körpers so sein.
Ist es für einen Suchenden hilfreich, an Plätze
zu gehen wie Tiruvanamalai, Poona oder Pondicherry, an denen
Erleuchtete lange Zeit gewirkt haben?
Alle diese Plätze haben eine Schwingung der Wahrheit.
Wenn du emfpänglich bist, nimmst du diese Schwingung
auf und sie wirkt wie eine Rückerinnerung an das, was
du bist. Die Gefahr dabei ist aber, dass du das Gefühl
bekommst, die Wahrheit ist nur in Indien oder an speziellen,
heiligen Plätzen zu finden.
Die Wahrheit ist überall. Es gibt keinen Platz, wo
nicht Wahrheit ist. Ich konnte die Wahrheit meines Selbst
in einer stinkigen, lauten, westlichen Großstadt erkennen.
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